Begutachtung durch den Medizinischen Dienst vorbereiten
Kurz gesagt: Ein gut vorbereiteter Termin hilft, dass nichts vergessen wird. Beschreiben Sie einen normalen Tag mit Beispielen, legen Sie Unterlagen bereit und führen Sie vorher ein Pflegetagebuch.
So läuft der Termin ab
- Nach Ihrem Antrag beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst (bei Privatversicherten Medicproof). Der Termin wird Ihnen vorher mitgeteilt.
- Die Begutachtung findet meist bei Ihnen zu Hause statt. Ob in Ihrem Fall auch ein Telefon- oder Videotermin möglich ist, fragen Sie bei der Pflegekasse nach.
- Planen Sie mindestens eine Stunde ein. Der Gutachter spricht mit der Person und den Angehörigen, sieht sich die Wohnung an und lässt sich zeigen, wie Aufstehen, Gehen oder Waschen klappen.
- Die Person, um die es geht, sollte dabei sein. Eine vertraute Person, die den Alltag kennt, darf und sollte mitkommen.
- Gehen Sie die Bereiche in Ruhe durch. Sie dürfen nachfragen, Beispiele nennen und Ihre Notizen benutzen.
Worauf es im Gespräch ankommt
- Sprechen Sie über einen normalen Tag und nennen Sie die schwierigen Tage als solche. Weder schönreden noch übertreiben.
- Beschreiben Sie mit Beispielen, wobei Hilfe nötig ist: Was passiert, wenn niemand hilft? Wer hilft, wie oft und wie lange?
- Vergessen Sie die Nacht nicht, und auch nicht Erinnern, Anleiten und Beaufsichtigen. Auch das zählt als Hilfe.
- Wenn Sie gefragt werden, ob etwas „noch geht“: Sagen Sie, wie es wirklich geht, auch wenn es nur mit Mühe oder mit Hilfe klappt.
Das gehört in die Mappe
- Arztberichte, Befunde und Entlassungsberichte aus Klinik oder Reha
- Aktueller Medikamentenplan
- Pflegetagebuch über ein bis zwei Wochen und dieser Leitfaden
- Liste der Hilfsmittel (zum Beispiel Rollator, Pflegebett, Inkontinenzmaterial) und Verordnungen
- Bescheide und Gutachten, falls schon einmal ein Pflegegrad bestand, und der Schwerbehindertenausweis, falls vorhanden
- Bei Vertretung: Vollmacht oder Betreuerausweis
Typische Fragen je Bereich
Bewegung (Mobilität)
- Wie kommen Sie morgens aus dem Bett, und hilft Ihnen jemand dabei?
- Wie weit und wie sicher gehen Sie in der Wohnung, und mit welchen Hilfsmitteln?
- Wie kommen Sie Treppen hinauf und hinunter?
Tipp: Zeigen Sie dem Gutachter ruhig, wie Aufstehen und Gehen wirklich klappen, auch mit Rollator oder Haltegriff. Nennen Sie Stürze oder Beinahe-Stürze mit Datum, wenn es sie gab.
Denken und Verständigung
- Erkennt die Person ihre Angehörigen, und findet sie sich in der Wohnung zurecht?
- Wie kommt sie mit Entscheidungen im Alltag zurecht, zum Beispiel was sie anzieht oder isst?
- Erkennt sie Gefahren, etwa einen heißen Herd, und kann sie sagen, was sie braucht?
Tipp: Im Gespräch wirken viele Menschen mit Gedächtnisproblemen fitter, als sie im Alltag sind. Schildern Sie konkrete Situationen: was vergessen wurde, wo Hilfe oder Erinnerung nötig war und was dadurch passiert ist. Eine Begleitperson darf und sollte ergänzen.
Verhalten und Psyche
- Gibt es Zeiten, in denen die Person unruhig, ängstlich oder aggressiv ist? Wie oft, und was tun Sie dann?
- Wie sind die Nächte? Steht die Person auf oder ruft sie?
- Lehnt sie Hilfe ab, zum Beispiel beim Waschen, und wie gehen Sie damit um?
Tipp: Psychische Themen werden aus Scham oder Sorge oft verschwiegen. Beschreiben Sie sie trotzdem ehrlich: wie oft es passiert, wann, und was Sie dann tun. Ein Tagebuch über ein bis zwei Wochen hilft, weil der Gutachter solche Zustände beim Besuch meist nicht selbst sieht.
Selbstversorgung
- Wie läuft die Körperpflege ab, und wer hilft beim Waschen oder Duschen?
- Wer hilft beim An- und Ausziehen, und wer legt die Kleidung heraus?
- Wie klappen Essen und Trinken? Muss jemand erinnern, anreichen oder zusehen?
- Wie klappt der Toilettengang, auch nachts?
Tipp: Beschreiben Sie einen ganz normalen Tag von morgens bis abends, so wie er wirklich abläuft, auch mit den Hilfen, die Sie schon leisten. Nennen Sie die Nacht, wenn auch dann geholfen wird. Sagen Sie nicht „das geht schon“, wenn es nur mit Mühe oder mit Hilfe geht.
Krankheit und Behandlung
- Welche Medikamente werden genommen, und wer richtet sie?
- Gibt es Verbände, Spritzen, Messungen oder Therapien zu Hause? Wie oft?
- Wie oft gibt es Arzt- oder Therapietermine, und wer begleitet?
Tipp: Bringen Sie den Medikamentenplan und Arztberichte mit. Schreiben Sie auf, welche Termine und Maßnahmen wie oft anfallen und wer sie übernimmt. Seltener als einmal im Monat zählt im Gutachten nicht.
Alltag und Kontakte
- Wie sieht ein normaler Tag aus, und wer sorgt dafür, dass er Struktur hat?
- Wie schläft die Person, und wie beschäftigt sie sich?
- Hat sie Kontakt zu anderen Menschen, und wer organisiert ihn?
Tipp: Sagen Sie, was die Person ohne Anstoß von außen tut und was nicht. Wer morgens allein nicht in den Tag findet oder Verabredungen vergisst, braucht Unterstützung, auch wenn er körperlich gesund wirkt.
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Stand: Oktober 2026. Nur zur Orientierung, keine Pflege- oder Rechtsberatung. Über den Pflegegrad entscheidet allein die Pflegekasse. Fachliche Prüfung der Texte durch Pflegeexperten steht noch aus.